Gedichte und Aphorismen

Jede menschliche Beziehung neigt dazu instrumentalisiert zu werden und nur zur Stillung unserer schreienden inneren Leere zu dienen – auf die zu horchen der Ausgangspunkt von Sinn wäre.

Wenn das Absurde zur Realität wird, dann ist die Realität absurd.

Rase oder schwebe ich?

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Was nun?

Es ist ein Schmerz, der einen überfällt,

wenn dir Antwort gefunden,

die Wahrheit erkannt.

Er füllt die Leere,

die die Antwort gebracht.

So lang war die Suche,

so hart das Martern von Körper und Geist,

um hierhin zu gelangen,

zur Antwort,

zum Ziel.

Wie lange hat einen die Frage gequält,

das Nichtwissen, das Suchen.

Jetzt, da die Suche vorbei ist und das kurze Glück

der Erlösung, der Einsicht

vorüber, was ist nun?

Kein Suchen mehr, kein Ziel mehr in Sicht.

Orientierungslos drängt der Geist ins Leere,

den zu beschwichtigen einzig das Ziel war.

Der Verwirrte hängt in der Schwebe,

unsicher, was zu tun.

Der Schmerz der Ohnmacht

angesichts der Antwort,

was kann man ihm entgegensetzen?

Schnell her mit einer neuen Frage,

einer neuen Aufgabe,

einem neuen Ziel!

Damit der Geist Ruhe gibt

und nicht einen nicht mit Leere quält!

Schnell eine neue Frage, um die man sich den Kopf zermartern,

damit bloß kein Stillstand herrscht.

Denn das Grübeln, das einem schlaflose Nächte beschert,

das ist es,

das den Geist glücklich und zufrieden macht,

keine Antworten.

  • „Wer fertig ist, dem nichts recht zu machen;
    ein Werdender wird immer dankbar sein.“ – J.W.Goethe
  • „Sahen wir schon in der erkenntnißlosen Natur das innere Wesen derselben als ein beständiges Streben, ohne Ziel und ohne Rast; so tritt uns bei der Betrachtung des Thieres und des Menschen dieses noch viel deutlicher entgegen. Wollen und Streben ist sein ganzes Wesen, einem unlöschbaren Durst gänzlich zu vergleichen. Die Basis alles Wollens aber ist Bedürftigkeit, Mangel, also Schmerz, dem er folglich schon ursprünglich und durch sein Wesen anheimfällt. Fehlt es ihm hingegen an Objekten des Wollens, indem die zu leichte Befriedigung sie ihm sogleich wieder wegnimmt; so befällt ihn furchtbare Leere und Langeweile: d. h. sein Wesen und sein Daseyn selbst wird ihm zur unerträglichen Last. Sein Leben schwingt also, gleich einem Pendel, hin und her, zwischen dem Schmerz und der Langenweile, welche beide in der That dessen letzte Bestandteile sind. Dieses hat sich sehr seltsam auch dadurch aussprechen müssen, daß, nachdem der Mensch alle Leiden und Quaalen in die Hölle versetzt, für den Himmel nun nichts übrig blieb, als eben Langeweile.
    Das stete Streben aber, welches das Wesen jeder Erscheinung des Willens ausmacht, erhält auf den höheren Stufen der Objektivation seine erste und allgemeinste Grundlage dadurch, daß hier der Wille sich erscheint als ein lebendiger Leib, mit dem eisernen Gebot, ihn zu nähren: und was diesem Gebote die Kraft giebt, ist eben, daß dieser Leib nichts Anderes, als der objektivirte Wille zum Leben selbst ist. Der Mensch, als die vollkommenste Objektivation jenes Willens, ist demgemäß auch das bedürftigste unter allen Wesen: er ist konkretes Wollen und Bedürfen durch und durch, ist ein Konkrement von tausend Bedürfnissen. Mit diesen steht er auf der Erde, sich selber überlassen, über Alles in Ungewißheit, nur nicht über seine Bedürftigkeit und seine Noth: demgemäß füllt die Sorge für die Erhaltung jenes Daseyns, unter so schweren, sich jeden Tag von Neuem meldenden Forderungen, in der Regel, das ganze Menschenleben aus.“
    – Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstlellung, Band I, §57

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