Die ewige Aporie der Künstlerseele

Ich muss schaffen! Und doch liegt nichts meiner Natur ferner, mich aufzuraffen, und mich ans Schaffen zu machen! Mich meinen Neigungen nach Faulheit und naturbedingter Ruhebedürftigkeit zu widersetzen, macht mich das menschlich? Nein, es macht mich zum Künstler. Und ich bin verdammt. Selbstüberwindung ist der größte Kampf, nicht das Schaffen. Ich hab meine Kanäle und die Ideen stehen ungeduldig in der Warteschlange, und wenn ich mich in Ruhe wähne, klopfen sie mit ihren Fäusten an die Fensterscheibe meines Bewusstseins und lassen mich nicht in Ruhe, bis ich eine von ihnen in Angriff nehme. Wenn ich an nur einer dran bin, hören die anderen auf zu klopfen, denn sie sind anständig und lassen mir, wenn ich geschäftig bin, meine Ruhe. Ganz zivilisiert sind sie dann. Aber wenn ich mir guten Gewissens Ruhe gönne, sind sie wieder da und klopfen. Eine Zeit lang kann ich sie dann ignorieren, beflügelt vielleicht noch durch die Taubheit und Zufriedenheit, die mir die Realisation meiner letzten Idee gebracht hat – doch lange währt dieser Zustand nicht. Aufdringliche kleine Biester sind sie und sie klopfen die Scheibe kaputt und engen mich immer weiter ein, bis ich keine Luft bekomme und sie bei bestem Willen nicht mehr wegignorieren kann. Dann knöpfe ich mir wieder eine von ihnen vor, eine vielversprechende. Gut in die Realität reinvermöbelt, mit bloßen Händen in die Wirklichkeit befördert – das hast du jetzt davon, abstrakte Idee. Schau, wie dir die Wirklichkeit schmeckt. Auf dem Markt wirst du nun ebenso verscherbelt wie wir Menschen Tag für Tag unsere Seele für einen Spottpreis verkaufen müssen.

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